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Mit der MS Nordnorge in die Antarktis und Chilenischen Fjorde
27.12.06 - 15.01.07

Pinguine und Eisberge. Diese aus nächster Nähe zu sehen ist das Ziel meiner Reise, auch wenn es zunächst gar nicht so aussieht: ich verbringe 15 Stunden im Flugzeug nach Buenos Aires, um dann die unvorstellbar große, laute, volle aber auch bunte Hauptstadt Argentiniens kurz kennen zu lernen. Am Flughafen werden alle Hurtigruten Gäste in Empfang genommen und von einem Transferbus zum Hotel gebracht. Auf dem Weg wird uns die Größe dieser Stadt bewußt und wir sehen bereits einige Sehenswürdigkeiten – wie das rosa Regierungsgebäude. Nach einem kleinem Empfang im Hotel, bei dem wir Reisenden mit weiteren organisatorischen Informationen ausgerüstet werden, ist es Zeit die Stadt auf eigene Faust zu erkunden: bei knapp 30 Grad bestaune ich die Weihnachtsdekorationen in den Schaufenstern und verfolge den Trubel auf den Straßen.

Am nächsten Morgen nähern wir uns dem Ziel um einen weiteren Schritt: per Charter-Flug geht es nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. Ushuaia liegt auf Feuerland und nennt sich gern auch „Fin del mundo“ - „Ende der Welt“. Hier liegt bereits die

MS Nordnorge, auf der am Abend eingecheckt werden soll. Doch zunächst besuchen wir alle den Nationalpark Feuerlands: Per Bus geht es direkt vom Flughafen los. Und schon merken wir alle, daß wir den Sommer aus Buenos Aires hinter uns gelassen haben: hier sind noch ca. +10°C. Der Nationalpark lässt uns eine völlig neue Flora und Fauna entdecken, und nicht zuletzt die Anden, die mächtig im Hintergrund die Kulisse bilden. Typisch für diese Gegend ist das wechselhafte Wetter, was uns den schönen Nebeneffekt farbenfroher Regenbögen beschert.

Erfüllt mit diesen ersten Eindrücken geht es am Abend schließlich an Bord „unseres“ Hurtigrutenschiffes MS Nordnorge – und als mehrfache Hurtigrutenfahrerin fühle ich mich gleich wie zu Hause. Die ca. 300 Mit-Passagiere kommen aus ca. 15 verschiedenen Ländern, und prägen damit allein schon diese Reise. An diesem ersten Abend erkunden alle das Schiff, und die ersten Informationsveranstaltungen finden statt: uns Gästen werden Besatzung und Lektoren vorgestellt. Letztere werden uns in den folgenden Tagen auf den Bereichen der Biologie, Geologie, Geschichte und aus eigenen Erlebnisberichten versuchen, einen hintergründigen Eindruck unseres so besonderen Reisezieles zu vermitteln.

Doch ist das noch immer nicht erreicht – nun gilt es in eineinhalb Tagen die berühmt berüchtigte Drake Passage zu überqueren. Langsam kommt nun das Gefühl auf, auf den Spuren der frühen Entdeckungsreisenden zu wandeln, und die Vorfreude steigt.

Allerdings: „Drake Passage“ bedeutet durchaus unruhige Gewässer – und forderte nicht wenige „Opfer“ in Sachen Seekrankheit. Wen diese allerdings nicht geplagt hat, konnte den in dieser Zeit den kompetenten, interessanten und immer gut vermittelten Vorträgen der Lektoren lauschen.

Am Nachmittag des Silvestertages – die Drake Passage liegt hinter uns - erreichen wir schließlich die zu den Süd-Shetland-Inseln gehörende Deception Island, und es ist Zeit für die erste Anlandung. Voller Erwartung und noch etwas unbeholfen legen wir unsere Schwimmwesten an (die jeder auf der Kabine findet), klettern in die bereitstehenden Gummistiefel, um dann in eines der sogenannten „Polar Circle Boote“ zu steigen, die uns in den kommenden Tagen noch oft zwischen Schiff und Anlandungsstellen tragen sollen. Nach dreieinhalb Tagen Reise betreten wir nun zum ersten Mal festen Boden in der Antarktis. Wer Eiseskälte und Schnee erwartet hat, wird überrascht: Es herrschen knapp +2° Grad und statt auf Schnee stehen wir auf schwarzem Strand - Deception Island ist eine Vulkaninsel. Dies ist auch der Grund dafür, dass ganz Mutige ein Bad der besonderen Art nehmen können: es gibt heiße Quellen. Doch wir anderen werden auch sogleich belohnt: der erste Pinguin, genauer gesagt ein Eselspinguin, empfängt uns am Strand und schaut ziemlich gelangweilt drein. Das Interesse ist eindeutig einseitig! Nun wissen wir alle, wofür wir so lange unterwegs waren. Denn nun geht es eigentlich erst los: am Abend fährt „unser“ Schiff vorsichtig einigen Buckelwalen hinterher, die es gar nicht eilig haben, von uns weg zu schwimmen. Dafür springen ich und inzwischen bekannte Mitreisende gern vom Silvesterbüffet auf. Den Jahreswechsel erleben wir voller neuer Eindrücke auf Deck bei beinahe Tageslicht an Deck, wo Mannschaft und Passagiere gemeinsam feiern und sich inzwischen nicht mehr ganz wildfremde Menschen ein Frohes Neues Jahr wünschen.

Das Jahr 2007 wird am Morgen auch gleich mit der nächsten Anlandung auf der schneebedeckten Cuverville Island begonnen. Hier sehen wir die erste Kolonie von Eselspinguinen. Es ist Brutzeit, und so sehen wir auch schon die puscheligen Pinguinküken, die sich entweder verschlafen unter ihre Eltern kuscheln, oder sich hungrig füttern lassen.

Als wir uns am Nachmittag dem Ort Neko Harbour nähern, verdichten sich die Eisschollen im Wasser, und immer mal passieren wir kleinere Eisberge, Bruchstücke der zahlreichen Gletscher. In Neko Harbour sehen wir unsere erste Weddellrobbe gemütlich am Strand liegen, und bestaunen die kalbenden Gletscher.

Im Verlauf der Reise erwarten uns noch weitere Höhepunkte wie die Passagen des Lemaire- und Neumayer-Kanals. Beide sind gesäumt von steilen Felswänden, das Wasser liegt ganz ruhig vor uns, und Eisschollen und –berge ziehen an uns vorbei. Ganz andächtig verfolgen wir die langsame Fahrt durch diese Kanäle.

Port Lockroy ist ein Erlebnis der anderen Art: die ehemalige Forschungsstation wird vom British Antarctic Survey als südlichstes Postamt der Welt betrieben, bietet nun Touristen Museum und Souvenirshop. Drei Engländer verbringen hier den antarktischen Sommer zwischen Pinguinen und anderen Seevögeln. Die Pinguine sind hier so zutraulich, dass sie den uns Touristen vorgeschriebenen Mindestabstand von 5m nicht immer einhalten!

Nach weiteren Anlandungen auf Petermann Island, King George Island (mit Besuch der ganzjährig besetzten polnischen Forschungsstation Arctowski), und Brown Bluff mit einer riesigen Kolonie an Adeliepinguinen, sind alle Erwartungen eigentlich schon längst erfüllt, doch dann machen wir quasi zum Abschied noch einen Abstecher in die Weddellsee. Im Winter ist dieser Teil der Antarktischen Gewässer mit Packeis zugefroren, aber nun Anfang Januar ist das Eis aufgebrochen und gigantische Tafeleisberge bilden eine beeindruckende Kulisse. Wie im Slalom umschiffen wir die Eisberge und sind völlig beeindruckt von Größe und Farbspiel. Als am späten Abend die Sonne noch ein goldiges Licht wirft, sind wir alle vollends begeistert. In dieser Stimmung steuern wir wieder auf die Drake Passage zu, um die Antarktis zu verlassen.

Nachdem die Drake Passage überquert ist, steht ein weiterer Höhepunkt bevor: wir werden von der Durchsage geweckt, dass Kap Hoorn erreicht ist! Jedoch werden wir es nur umrunden, aber nicht anlanden wegen zu hohen Wellengangs. Anschließend geht es in den Beagle Kanal, auf dem schon Charles Darwin unterwegs war. In den nächsten Tagen werden wir weitere Pinguine sehen, Albatrosse beobachten und verschiedene Seevögel dabei beobachten, wie sie uns verfolgen. Und zahllose Gletscher säumen den Kanal , die uns Reisende immer wieder ob ihres Farbenspiels staunen lassen.

Zwei Häfen werden in Feuerland angelaufen: Puerto Williams, ein kleines Städtchen und chilenischer Marinestützpunkt , bietet die Möglichkeit für einen Landgang, der eifrig von uns genutzt wird. Von Puerto Natale aus werden verschiedene Landausflüge angeboten, wie z.B. zum bekannten Nationalpark „Torres del Paine“ oder zur Höhle „Cave del Milodon“. Die Fahrt durch den Beaglekanal und die Magellanstraße bietet einen geruhsamen Abschluss dieser eindrucksvollen Reise, bevor die MS Nordnorge Punta Arenas erreicht, und wir alle das Schiff verlassen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Santiago de Chile, wo nochmal der Sommer der Südhalbkugel genossen werden kann, geht es nach Hause – mit vielen völlig neuen Eindrücken beladen und nicht zuletzt einem Haufen von Bildern…

Sigrun Möller