Orca Safari - Lofoten im Winter
Ende November 2005
Bilder der Reise
Mit großer Spannung sahen wir unserer Reise Ende November entgegen. Die so oft gestellte Frage, wie bzw. ob es überhaupt noch hell sein würde so weit nördlich des Polarkreises, beschäftigte uns schon auf der Fluganreise nach Bodø, und sollte endlich beantwortet werden.
Als das Hurtigrutenschiff um 15:00 Uhr in Bodø ablegte, war es bereits dunkel. Je weiter die M/S Nordstjernen den Hafen verließ, umso deutlicher wurde, was "dunkel" nördlich des Polarkreises am 24. November auf offener See heißt: tiefe schwarze Nacht.
Umso beeindruckender und unerwartet war Svolvær, der Hauptort der Lofoten, der uns gute 6 Stunden später nach einer nicht ganz ruhigen Überfahrt idyllisch willkommen hieß. Das warme Licht der Adventszeit strahlte aus den beleuchteten Fenstern, schlicht geschmückt und still war der kleine Ort.
Unsere Unterkunft auf Svinøya war gut gewählt. Hier wohnt man in kleinen gemütlichen Fischerhütten direkt am Wasser mit Blick auf den Ort, nur 10 Minuten zu Fuß vom Zentrum entfernt.
Die Rezeption entpuppte sich als authentisches Museum eines nordnorwegischen Landhandels, in dem alles zusammen gesucht war, was auf dem Dachboden jahrzehntelang verborgen lag. Hier spürt man sehr konkret die Begeisterung der Menschen für ihr Tun.
Und was wir uns so sehr gewünscht hatten, hing dann plötzlich schon als Begrüßungsgruß am Himmel: das Nordlicht, dieses einmalige Schauspiel, ein Erlebnis, das man nicht wieder vergisst, mit einer Magie, die den Schein hat, das ganze Leben verändern zu können. In grünen Farben bewegte sich der Lichtteppich wie eine Gardine am Himmel, wie selbstverständlich.
Der nächste Morgen begann mit einer beeindruckenden Morgendämmerung, die alle Fotografen schon früh aus den Hütten lockte. Nach dem Frühstück machten wir uns zu Fuß auf ins Zentrum, um an der Informationsveranstaltung für die geplante Orca-Safari teilzunehmen und dort z.B. zu erfahren, dass die schwarz-weißen Schwertwale sterben würden, wenn sie einschliefen, weil sie im Schlaf vergessen würden zu atmen.
Auf der M/S Orca starteten wir anschließend gegen 09:00 Uhr im Sonnenaufgang in Richtung Tysfjord. Und schon diese Ausfahrt ist beeindruckend genug: das wunderschöne Morgenlicht, die klare Luft und die Bergkulisse der Inselkette. Als dann die ersten Tiere auftauchten, stieg die Begeisterung noch mehr. Stunden später war mir klar, dass vielmehr die Orcas mit uns spielten und uns verfolgten, als dass es unser Verdienst wäre, sie gefunden zu haben. Ein unglaubliches Naturerlebnis.
Erschöpft, müde, durchgepustet und glücklich erreichten wir 5 Stunden und viele Fotos später wieder unsere Unterkunft. Eine heiße Dusche, eine kleine Verschnaufpause und schon machten wir uns auf zu einer abendlichen Wanderung auf einen der umliegenden Berge, um den Blick auf Svolvær auf der einen und Kabelvåg auf der anderen Seite zu genießen. Und natürlich den sternenklaren Himmel über uns. Warum gibt es hier nur so viel mehr Sterne als bei uns zuhause?
Den Abend ließen wir in der Börsen Spiseri ausklingen, vielleicht einem der besten Restaurants in Svolvær, welches besonders durch seinen einzigartigen Charme besticht. Während wir hier in gemütlicher Atmosphäre die gehobene Küche genießen konnten, fing es draußen leise an zu schneien… und nur ein paar Stunden später knirschte der dicke Schnee auf dem Heimweg unter unseren Schritten.
Am nächsten Tag hieß es schon wieder schweren Herzens Abschied nehmen von den Lofoten. Vom inzwischen eingeschneiten kleinen Ort Svolvær, der Stille und Weite der Natur, der Liebe der Menschen für ihr Zuhause in einem nordnorwegischen Winter, der mir durch Dämmerung und Nordlicht immer eher farbenreich als dunkel erschienen war.
Zeit und Licht scheint hier sehr relativ: im Sommer begleitet die Sonne die Menschen 24 Stunden lang und im Winter nutzt man den Tag eben auch noch, wenn es schon dunkel ist.
Die Einheimischen meinen, die Dunkelheit spiele sich in erster Linie im Kopf ab, und dass man Optimist sein müsse, um hier leben zu können, dann aber sei es das Paradies auf Erden…
Dorothee Blöß |