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Stippvisite Spitzbergen auf MS Nordstjernen
24.-29. August 2003

Unser Flugzeug startete um 22:00 Uhr in Oslo zu einem sehr faszinierenden Flug: je später es wurde, umso heller wurde es, denn auf Spitzbergen scheint bis zum 22. August die Mitternachtssonne. Wie mit einem "Plopp" tauchte die Sonne dann nach 3 Stunden Flugzeit plötzlich über den Wolken auf, kurz bevor wir Longyearbyen erreichten.

Auf den ersten Blick wirkte Spitzbergen karg - auf den zweiten auch - eine Kundin nannte dies einmal "die landschaftliche Tristesse". Aber als wir dann unterwegs waren, von den orts- und fachkundigen Guides so viel über Natur, geografische Lage, Permafrost usw. erfuhren, tatsächlich Polarfüchse (1), Walrösser (2) und Eisbären (7) sahen und an die atemberaubenden Gletscher heranfuhren, entdeckte ich ziemlich schnell die Schönheit und Einmaligkeit dieses Archipels auf 80° nördlicher Breite. Die Luft war kalt und klar (ca. 5°C), wir hatten (bis auf den ersten Vormittag) knalligen Sonnenschein und eine spiegelglatte See.

Die Ortschaften sind schnell gezählt: Die "Hauptstadt" Longyearbyen mit ca. 1.700 Einwohnern ist ein schmuckloser Ort mit überirdischen Versorgungsleitungen. Vor den Holzhäusern standen Schneescooter wie Fahrräder und warteten auf den nächsten Schnee.
In "Barentsburg", einer russischen Kohle-Siedlung mit ca. 900 Menschen, regnete es permanent, was den trostlosen Eindruck sehr unterstrich. Der ganze Ort machte schon von Weitem durch einen qualmenden Schornstein auf sich aufmerksam. "Ny-Ålesund" war der dritte Ort, den wir besuchten (ca. 400 Einwohner). Die kleinen bunten Holzhäuser lagen im warmen Licht der Abendsonne, was der Forschungsstation einen sehr friedlichen Charme verlieh.

Ein besonderer Genuss dieser Reise ist das Schiff. Wer die traditionellen Hurtigrutenschiffe schätzt, wird die MS Nordstjernen lieben. Sie wurde 1956 gebaut und hat 77 zweckmäßig eingerichtete Kabinen. Großen Komfort darf man darin nicht erwarten, aber Restaurant, Cafeteria, Bar und zwei Salons bieten genügend gemütliche Aufenthaltsmöglichkeiten.

Mich zog es meistens nach draußen an Deck, mit einem dampfenden Tee gewappnet, mal im Gespräch mit meinen Mitreisenden, mal allein in einer stillen Ecke, aber immer mit Blick auf die umwerfende Küstenlandschaft und alle Sinneswahrnehmungen genießend, die diese Seereise bietet.

Auf unseren Landgängen hatten wir Gelegenheit auch mal für 1-2 Stunden zu wandern, immer von bewaffneten Guides vor Eisbären geschützt. Die Landschaft konnte aus der Nähe betrachtet durch Moose und Gräser durchaus bunt wirken. Unterwegs schweifte mein Blick aber immer wieder in die Ferne über die kargen Bergen, zwischen denen sich gewaltige Gletscherzungen ins Wasser ergossen. Die historischen Spuren alter Wetterstationen und Siedlungen waren hier skurrile rostige Gegenstände und wirkten wie fremde Raumschiffe in einer Mondlandschaft.

Sehr beeindruckt haben mich auch die Menschen auf Spitzbergen. Jeder scheint genau zu wissen, warum er hier ist. Besonders unsere Guides an Bord haben mich durch ihre persönliche Begeisterung für die Sache sehr überzeugt.

Insgesamt war meine "Stippvisite Spitzbergen" eine außergewöhnliche Reise, die auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht hat. Das wahrscheinlich größte Gut, das diese Ecke der Welt zu bieten hat, ist der Einklang mit der Natur und die wirkliche Stille und Ruhe, die man hier erleben darf. Wenn das Schiff langsam durch das türkisfarbene Wasser gleitet und sich den gewaltigen Gletschern nähert, knacken die Eisschollen ringsherum und das ist aber auch das einzige, was man dann hört.

Dorothee Blöß

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